Pressemitteilung

 

Marktbericht Juli 2021

Selten haben wir eine derartige Konstellation auf dem Edelstahlmarkt gesehen. Die Preise sind im ersten Halbjahr explodiert und diesmal liegt es nicht (nur) am Nickelpreis (wie 2007). Der Nickelpreis ist seit Anfang des Jahres um 10% gestiegen, während der Chrompreis um fast 40% und der Molybdänpreis um 80% zulegen konnten. Preistreibend sind auch die Basispreise der Werke, die sich vor allem im zweiten Quartal in vielen Legierungen fast verdoppelt haben. Knappheit herrscht, obwohl die Produktionsmengen gegenüber dem zweiten Quartal 2020 um 30% angestiegen sind. Der Einbruch im Vorjahr war, ausser für China, in vergleichbarer Grössenordnung, so dass wir immer noch etwa 10% unter dem 2019 Niveau liegen dürften. Die Zölle der EU schützen vor der asiatischen Konkurrenz; in China sind die Preise seit Anfang Jahr moderater gestiegen als in Europa. Ausserdem hat der „Klopapiereffekt“ sicher auch einen Einfluss auf die aktuellen Preise.

Die Lager sind in Europa auf sehr niedrigem Niveau und die Werkslieferzeiten liegen bei deutlich über 6 Monaten. Die Werke können die Kapazitäten gut auslasten, sind aber sicher noch nicht am Anschlag. Andere kapazitätsbeschränkende Faktoren, wie bspw. Finanzierung, Logistikprobleme und neuerdings Wetterkapriolen, spielen ebenfalls eine Rolle. Dabei kommt der allgemeinen knappen Verfügbarkeit an Materialien noch zugute, dass gewisse Industrien, wie die Luftfahrt oder die chemische Prozessindustrie, noch bei weitem nicht das Vorkrisenniveau erreicht haben. Trotzdem sollte sich die Lage nach dem Sommer beruhigen. Insbesondere die Basispreise der Werke werden sich wieder auf ein normales Niveau bewegen. Die Legierungszuschläge dagegen könnten insbesondere in den höherlegierten Werkstoffen weiter zulegen. Allerdings ist auch auf den Nebenschauplätzen einiges los, Verpackungskosten und vor allem die Frachtraten steigen kontinuierlich: „Ein Container auf der wichtigen Exportroute von Schanghai nach Rotterdam kostet laut Drewry mittlerweile schon rund 12.000 Dollar. Die Zahl wirkt schon beinahe absurd. Noch vor einem Jahr hätte ein Containertransport von Asien nach Nordeuropa nicht mal 2000 Dollar gekostet.“ (WiWo 21. Juni 2021).

Ein Blick lohnt sich auch auf die Schrottpreisentwicklung (linke Skala im Chart) im Vergleich zu den Edelstahlpreisen (rechte Skala). Dies zeigt einmal mehr, dass Schrotte die wichtigsten Rohstoffe der Industrie sind und deren Knappheit auch einen preistreibenden Einfluss haben. Mehr dazu auch auf der Hempel-Seite.

In beiden Legierungen ist ein stärkere Anstieg der Schrottpreise (+ 60%) gegenüber den Transaktionspreisen (+ 40%) zu verzeichnen.  

Wir gehen von einer moderateren Preisentwicklung nach dem Sommer aus; ausser im Titan, da wird die Rallye erst beginnen. Sollten ausserdem die Prognosen stimmen, dass der Verbrauch an Nickel für den Einsatz in Batterien um 500% in den nächsten Jahren steigen wird (CCO von BHP), stehen uns auch hier mittelfristig noch „heitere Zeiten“ bevor. Da helfen die stickstofflegierten Edelstähle von Hempel.

Chart-Source: MBI Metal Source